Krippenpädagogik in der Schweiz

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Die Krippenpädagogik hat sich in den letzten 5-10 Jahren auch in der Schweiz stark verändert.

Ein Grund dafür ist, dass infolge der Wirtschaftskrise viel mehr Frauen als früher arbeiten. Ein Gehalt reicht für eine 4-5 köpfige Familie nicht mehr aus. Die Schweizer Grosseltern bedeuten einen Entlastungsfaktor für die Familien. Finanziell gesehen ist es einfacher, die Kinder zu den Grosseltern zu schicken anstatt die Krippe zu bezahlen. Die Frage ist natürlich, ob das die Grosseltern nach langen Arbeitsjahren noch auf sich nehmen können und möchten. Ob sie noch die Nerven dazu haben….

Viele Familien haben gar keine Ressourcen und sind auf die Krippe angewiesen. In den Jahren, die ich im Krippenbereich verbracht habe, hatten immer diejenigen  Familien Betreuungsprobleme,  denen keine Ressourcen oder A, B, C-Varianten zur Verfügung standen, zB. in der Situation „Kind ist krank“. Die Familien, die gut vorbereitet sind mit Freunden, Grosseltern, Babysitter, Rotem Kreuz etc. haben sehr selten Betreuungsprobleme. Einen anderen Grund ist, dass die Eltern wenig Zeit für sich und ihre Kinder haben. Sie sind meistens überfordert vom grossen Arbeitsdruck und froh, wenn die Kinder am Montag wieder in die Krippe gehen.

Der dritte Grund ist, dass viele Eltern keine Ahnung davon haben, was es eigentlich heisst, ein Kind aufzuziehen. Man hat vermutlich viele Illusionen über das Familienleben, aber so wirklich werden die frisch gebackenen Eltern von niemandem vorbereitet. Und dann kommen die ersten grossen Enttäuschungen und Fragenzeichen, wenn das Kind 2 Wochen lang keine Nacht durchschläft. Ja, es ist am Anfang ausserordentlich schwierig und man muss sich oft auf den Überlebensmodus umstellen. Kinder sind nicht immer „süsse Babys, die den ganzen Tag lang schlafen“. Sie zahnen, sie haben Bauchschmerzen und machen ordentlich in die Windel. Natürlich gibt es Zeiten und Momente, in denen sie zuckersüss sind und man sie den ganzen Tag lang nur knuddeln möchte.

Kinder sind jedoch keine Spielpuppen, die man schön dekorieren kann und danach im Schaufenster ausstellen. Kinder sind lebendige Wesen, die sich von Tag zu Tag  verändern und in erster Linie von ihrer Umgebung lernen.

Die Krippe muss heutzutage nicht nur die Kinder erziehen, sondern auch oft den ratlosen Eltern helfen. Diese haben erstaunlich häufig gar keine Vorstellung davon, wie ihr Kind wirklich ist – und das nach 3-4 Jahren. Manchmal wundere ich mich: wie kann es sein, dass man ein Kind auf die Welt brachte und keine Ahnung davon hat.

Die Krippe ist in den letzten Jahren eine multifunktionale Institution geworden, die in erster Linie nicht mehr betreut, sondern erzieht (oft anstatt der Eltern/Familie). Daneben offeriert sie Beratungen und Coaching für die Familien und leistet oft auch psychologische – nicht nur pädagogische – Unterstützung. Dazu kommt noch der hohe Leistungsdruck betreffend Finanzen (Kinderzahlen) und die  schwierigen Arbeitsverhältnisse.

Ja, für die Krippenwelt ist die Zeit gekommen, in der sie tief in sich hineinschauen und sich langsam, aber sicher neudefinieren muss…